
Video-Aufzeichnung des Webinars 2025 (verfügbar bis Ende 2025)
Unwetter 2024 in der Schweiz: Analyse, Erfahrungen, Lehren
Die Unwetterereignisse im Sommer 2024 haben zahlreiche Regionen der Schweiz stark getroffen. Im Rahmen der Fachtagung Wildbäche haben die WSL und OST gemeinsam zu einem Online-Webinar am 06.11.2025 eingeladen, in dem die Ereignisse aus nationaler und kantonaler Sicht beleuchtet wurden.
Programm
- Begrüssungswort (5 min)
- Tazio Bernardi, BAFU
Analyse der Unwetterereignisse vom Sommer 2024 – Ziel, Konzept und Stand der Arbeiten
(25 min + 5 min Verständnisfragen) - Oliver Hitz, Tiefbauamt Kanton Bern
Lokale lösungsorientierte Ereignisanalyse – LLE Milibach, Brienz (BE)
(40 min + 5 min Verständnisfragen) - Diskussion und Fragen (20 min)
- Schlusswort (5 min)
Zusammenfassung der Vorträge
Tazio Bernardi, BAFU
Die Unwetter im Misox, im Maggiatal, im Wallis und in Brienz (Kt. BE) im Sommer 2024 forderten insgesamt zehn Todesopfer und verursachten Sachschäden in der Höhe von rund 770 Mio. Schweizer Franken. Bis heute werden drei Personen vermisst. Die Todesopfer sind mehrheitlich auf Wildbach- und Murgangereignisse zurückzuführen.
Ereignisanalysen sind ein wichtiges Element im Integralen Risikomanagement und für dessen Weiterentwicklung. Sie sind die einzige Möglichkeit, die Qualität von Grundlagen und Massnahmen in der Realität zu überprüfen. Die einzelnen Ereignisse des Sommers 2024 haben regionalen Charakter. Sie erfordern deshalb kantonale Analysen in den betroffenen Kantonen. Aufgrund der Anzahl Todesopfer und der eingetretenen Schäden, der engen zeitlichen Abfolge, der Häufung von Murgang- und Geschiebeprozessen besteht aber auch eine nationale Betroffenheit, die eine zusätzliche Analyse auf Stufe Bund verlangt – unter Wahrung der jeweiligen Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Damit kommt der Koordination, der Zusammenführung der Ergebnisse, deren Vertiefung und der Ableitung allgemeingültiger Erkenntnisse zur weiteren Verbesserung des Naturgefahrenmanagements eine ganz besondere Bedeutung zu. Bund und Kantone haben gemäss Wasserbauverordnung (2025) Art. 4 und 5 (sowie Waldverordnung (1993) Art. 16 die gesetzliche Pflicht, grosse Schadenereignisse zu analysieren. Dies gilt aufgrund der Todesopfer, Sachschäden und der beobachteten Phänomene auch für die Unwetter des Sommers 2024.
Charakteristisch für den Sommer 2024 waren Erosionen und Geschiebeumlagerungen in Gebirgsflüssen wie der Moesa, der Maggia und der Rhone sowie in deren steilen Seitengewässern. Zudem kam es zu einer grossen Anzahl an Murgängen. Solche Prozesse treten in einem so grossen Umfang wie im Sommer 2024 sonst eher selten auf, weshalb die praktische Erfahrung damit sowohl in der Gefahrenbeurteilung (Gefahrenkarten) als auch bei der Massnahmenplanung begrenzt ist. Hier bietet die Analyse der Ereignisse des Sommers 2024 eine einmalige Gelegenheit, Erfahrungswerte zu sammeln, zu teilen und weiteren Bedarf auszuloten. Die Analyse konzentriert sich auf kleine und mittlere Gewässer mit Geschiebeprozessen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis der Gefahrenprozesse und der Wirkung präventiver Massnahmen zu erlangen sowie eine Erfolgskontrolle der vorhandenen Grundlagen und Massnahmen zur Vorsorge und Warnung durchzuführen. Auf Basis der aus der Analyse gewonnenen Erkenntnisse werden Folgerungen und Lehren für das zukünftige Naturgefahrenmanagement abgeleitet.
Oliver Hitz, Tiefbauamt Kanton Bern
Das Ereignis vom 12.8.2024 am Milibach in Brienz (BE) hinterlässt im idyllischen Dorf am Brienzersee deutliche Spuren. Am späten Nachmittag und vor allem gegen Abend wurde das Einzugsgebiet des Milibaches mit enormen Niederschlagsintensitäten beregnet. In der Folge donnerten massive Geschiebe- und Wasserfrachten über den bestehenden Geschiebesammler bis in das Siedlungsgebiet hinein. Rund 60 Gebäude waren von den Prozessen betroffen, dank rechtzeitiger Evakuation blieb die Bevölkerung weitestgehend unversehrt.
Schon am Tag danach war klar: Der Weg zurück zur Normalität würde lang und beschwerlich. Wie wird dieser Weg mit den grossen Herausforderungen angegangen? Wie sieht die Kommunikation mit den Grundeigentümern und der Bevölkerung von Brienz aus? Wer wird mit welchen Aufgaben betraut? Wer übernimmt den Lead?
Solche Fragen und weitere stehen im Zentrum ab Tag eins nach dem Ereignis. Aus der Optik des kantonalen Tiefbauamtes wird am Webinar verdeutlicht, wie diese Herausforderungen angenommen und angegangen wurden. Es wird aufgezeigt, wo Brienz nach über einem Jahr nach dem Ereignis steht, welche Herausforderungen verbleiben und diskutiert, was die Erfolgsfaktoren und die Vorteile einer LLE sind.
Kontakt:
Fachtagung Wildbäche
c/o Eidg. Forschungsanstalt WSL
Dr. Isabella Schalko
Zürcherstrasse 111
CH-8903 Birmensdorf
info@fachtagungwildbaeche.ch
